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Reiten mit Franklin-Bällen: Der Test

Als ich das erste Mal die quietschbunten Franklin-Bälle sah, stutzte ich: Wie soll ich damit reiten können? Beim Stöbern im Netz stolperte ich über einen kleinen Film, der erst einmal die Funktion der verschiedenen Bälle erklärt.

Ich gebe gern zu, dass die Vorstellung im Sattel auf Bällen und Rollen zu sitzen und das auch noch den Sitz verbessern soll, mehrere Fragezeichen bei mir auftauchen ließ. Doch ich kenne Eckart Meyners lange genug um zu wissen: Was er macht, hat Hand und Fuß. Der Sitzspezialist beschäftigt seit über 40 Jahren mit dem Reitersitz und vor allen Dingen macht er eines (etwas, was leider keine Selbstverständlichkeit in der Reiterwelt ist): Er bildet sich ständig weiter und bindet neue Forschungsergebnisse in seine Arbeit mit ein. Wer schon einmal das Glück hatte bei Eckart Meyners oder einem seiner Bewegungstrainer Unterricht zu nehmen, erinnert sich bestimmt an die deutliche Reaktion seines Pferdes: Nach einigen Übungen steigt man wieder motiviert in den Sattel und das Pferd schnaubt ab und sagt damit förmlich: “Endlich ist der Mensch da oben mal locker!”

Ob das mit den Bällen auch klappt? Ja, tut es. Wer da kritisch ist, dem sei dieser Film empfohlen, den Sie hier bestellen können. Vorab ein kleiner Ausschnitt.

An dem Tag, an dem ich mit den Franklin-Bällen zum Stall ging, begrüßte mich Mr.P. mit einem munteren Brummeln. Seine gute Stimmung sprach für den Einsatz der Franklin-Bälle. Denn eines sollten Sie im Hinterkopf behalten: Mit den Bällen und Rollen bewegen Sie sich viel mehr und ungewohnt auf dem Pferd. Ihr Vierbeiner sollte also gelassen bleiben. Das wiederum ist die kleinste Übung für Mr.P.: Der “erträgt” mich ja schon seit fast 15 Jahren. Und damit weiß er auch, dass ich eher ein “Steiftier” bin: Der Schreibtischjob als Journalistin und Chefredakteurin der Dressur-Studien fördert leider nicht gerade die körperliche Beweglichkeit …

Die Mini-Franklin-Rolle
Die Mini-Franklin-Rolle. Foto: cls

Zuerst probierte ich die “Mini-Rolle” aus. Das gute Stück ist mit Luft gefüllt und soll exakt unter die Sitzbeinhöcker platziert werden. Ich brauchte ein wenig um die passende Stelle zu finden, sodass die Rolle auch tatsächlich an ihrem Platz blieb. Und das Gefühl war zuerst schon komisch: Ich fühlte mich, als ob ich über meinem Pferd thronen würde. In Runde zwei bemerke ich ein Kribbeln in meinem Schulterbereich. Also genau dieser Bereich, der während der täglichen Schreibtischarbeit immer wieder verspannt ist. Gut zehn Minuten saß ich auf der Mini-Rolle, dann ging es weiter ohne. Und Mr.P. schnaubte ab. Ich beließ es bei dieser einen Übung, denn im Begleitheft zu den Franklin-Bällen wird deutlich vermerkt, dass man nicht zu viel auf einmal ausprobieren soll.

Original Franklin-Ball.
Original Franklin-Ball. Foto: Claudia Sanders

Einen Tag später probierte ich die Original-Franklin-Bälle aus. Davon gehörte einer unter einen Sitzbeinhöcker. Das bedeutete: Plötzlich sind Sie um gefühlte zehn Zentimeter schief in Ihrem Becken. Nach Runde eins fühlte ich mich plötzlich gar nicht mehr schief und begann an meinem Körpergefühl zu zweifeln. Wie kann das sein? Bin ich in Wirklichkeit Quasimodo und merke es noch nicht einmal? Die ernüchternde Antwort darauf lautet: Theoretisch ja. Das menschliche Hirn ist in der Lage solche “Ungleichgewichtssituationen”  als “normal” wiederzuspiegeln. Das erklärt, warum viele von uns “schiefen Reitern” das noch nicht einmal bemerken.

Die Theorie hinter der Praxis hat Eckart Meyners für uns in diesem Heft mit einem Artikel beschrieben: “Bunt und effektiv: Reiten mit Franklin-Bällen. 

Die Franklin-Bälle wirken und lösen die Fazien.  Durch diese ungewohnten Sitzmuster ist auch der eingefleischteste Sitzfehler erkennbar oder vielmehr: Plötzlich hat man ganz andere Bewegungsmöglichkeiten.  Das heißt leider nicht, dass der Sitzfehler nun plötzlich weg ist. Aber: Sie bekommen ein Gefühl dafür, wie es sein sollte.

Fazit:

Mit den bunten Bällen lassen sich eingefahrene Sitzfehler “auflösen”, indem völlig andere Bewegungsmuster ausprobiert werden. Ideal ist es, wenn Sie das mit einem “Bewegungstrainer Eckart Meyners” zusammen ausprobieren: Es macht einfach Sinn, wenn ein erfahrener Ausbilder Sie dabei unterstützen kann, nicht nur den Fehler zu erkennen, sondern auch zu analysieren, wo genau das Problem liegt. Mr. P. bekommt es jetzt auf jeden Fall regelmäßig mit den Bällen zu tun: Wollen wir doch mal schauen, ob ich “altes Steiftier” nicht noch etwas beweglicher und erträglicher für Mr.P. werde 😉

Und weil ich so begeistert von den Bällen bin, haben wir das Reiter-Set der Franklin-Bälle auch in unserem Shop aufgenommen.

Franklin-Bälle: Das Reiterset
Franklin-Bälle: Das Reiterset