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Leserbrief von Michael Putz zur griechischen Reitkunst

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Link zum Ausgangsartikel von Christiane Slawik

1. Erwiderung von Klaus Widdra

Erwiderung von Christiane Slawik

2. Erwiderung von Klaus Widdra

Dem folgt der hier zu lesende Leserbrief von Michael Putz, als Reaktion auf die Diskussion über Xenophon

 

 

Sehr geehrte Frau Sanders,

die Aussagen Christiane Slawiks zu der griechischen Reiterei in der Zeit eines Xenophon sprechen mir sehr aus der Seele:
Ich habe als Schüler eines bayerischen humanistischen Gymnasiums schon sehr frühzeitig Xenophon kennengelernt und auch sehr viele Lichtbilder-Vorträge unserer Altphilologen über griechische Kunst einschließlich vieler Pferde- und Reiterabbildungen genossen.
Xenophons „Über die Reitkunst“ habe ich 1965 erstmals gelesen. Auch wenn seine Hinweise und Empfehlungen in dieser Schrift großenteils durchaus pferdefreundlich klingen, habe ich nie den Umgang mit den Pferden und das Reiten dieser Zeit als besonders vorbildlich und nachahmenswert angesehen; vielmehr waren meine Vorstellungen davon immer vornehmlich durch die von Christiane Slawik erwähnten und beschriebenen Darstellungen durch Bildhauer, Vasenmaler etc. geprägt. – Wer sich ein wenig mit der Biomechanik von Pferden beschäftigt hat und ihre Körpersprache einschließlich des Gesichtsausdrucks zu deuten versteht, kommt genau zu den gleichen Schlüssen wie Frau Slawik.

Das war auch der Grund dafür, daß ich von Anfang an skeptisch war, ob der Name Xenophon genau das beinhaltet, wofür die Gesellschaft, die sich diesen Namengegeben hat, stehen möchte.

Sie verglichen, wie ich meine ganz zu recht, deshalb Xenophon mit Monty Roberts: Beider Wirkung kann nur verstanden werden vor dem Hintergrung ihrer jeweiligen, nicht besonders pferdegerecht ausgerichteten hippologischen Kultur, soweit man sie überhaupt so bezeichnen möchte. Die Einstellung zum Pferd, ja zum Tier überhaupt war (und ist?) in der griechischen Welt genau wie im Amerika der Cowboys eine ganz andere als bei uns heute in Mitteleuropa.
Allerdings kommen einem beim Beobachten mancher heutiger Reiter, nicht zuletzt im Turniersport, diesbezüglich große Zweifel.

Vielen Dank für diese interessanten Gedanken zu Xenophon!

Mit freundlichen Grüßen, auch unbekannterweise an Frau Slawik,

Michael Putz