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Erwiderung von Christiane Slawik auf Dr. Widdra

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Link zum Ausgangsartikel von Christiane Slawik

1. Erwiderung von Klaus Widdra

Der folgt die hier zu lesende Erwiderung von Christiane Slawik

2. Erwiderung von Klaus Widdra

Leserbrief zum Thema von Michael Putz

 

Lieber Herr Widdra,

wir stehen doch beide auf der selben Seite!

Ich bewundere, dass Sie Ihr ganzes Leben einer einzigen Thematik gewidmet haben. Doch bei allem Respekt: Sie haben offensichtlich übersehen, dass es in meinem Artikel überhaupt nicht um Xenophon und schon gar nicht um eine Kritik an seinen Schriften geht. Ich hinterfrage lediglich die reiterliche Glorifizierung des Parthenonfrieses, was auch in der ursprünglichen Überschrift des Textes „Die Pferde des Parthenonfries- vollendete Versammlung oder schmerzvolle Spannung?“, die von der Dressur-Studien Redaktion leider geändert wurde, deutlich wird. Xenophon zitiere ich ausschließlich, um meine Überlegungen zu belegen!

In Reiter- und anderen Kreisen muss das künstlerisch unbestreitbare Meisterwerk des Phidias regelmäßig als Beleg für das Niveau griechischer „Dressurreiterei“ herhalten. Daran hat man sich inzwischen so gewöhnt, dass anscheinend niemand mehr die Panik in den Pferdeaugen sieht.

Oder um Karl Popper aufzugreifen: Beschäftigt sich ein Wissenschaftler jahrelang mit weißen Schwänen, wird er den einen schwarzen, der ihm begegnet noch nicht einmal als solchen erkennen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Ich stehe zu meinen Ansichten und finde sie in antiken Darstellungen von Pferden immer wieder bestätigt. Bis zum heutigen Tag konnte mir noch niemand die historisch parallel einzuordnende Abbildung eines wirklich losgelassenen, fein gerittenen Pferdes zeigen. Sie sind auch im modernen Dressursport noch überaus selten. Zumindest auf den vorderen Plätzen.

Die Idee einer klassischen, so genannten „pferdegerechten“ Ausbildung ist wunderbar, aber mit der Umsetzung hapert es doch im Allgemeinen gewaltig. Am Ende heiligt der Zweck die Mittel. Da fällt es mir recht schwer zu glauben, dass die jungen, antiken Machoadeligen ihre Kriegspferde zu Zeiten Xenophons plötzlich schonend und mit viel Geduld ausgebildet haben sollen, wenn auf dem Parthenonfries nur kurze Zeit vorher das „non plus ultra“ in Sachen Reiterei von einem begnadeten Künstler überaus deutlich und realistisch gezeigt wurde. Gutes, feines Reiten ist relativ unspektakulär und auch heute noch nicht besonders attraktiv für südländische Männer jeden Alters.

Xenophon mag groben Umgang mit Pferden verurteilt haben. Heuschmann und andere tun es immer noch. Mit wesentlich mehr Publicity und Auflagenstärke, als es in der Antike möglich war. Das ist gut so, aber ändert sich deswegen Gravierendes an Rollkur & Co.?

Ich wäre sehr vorsichtig mit einer allzu enthusiastischen Bewertung von Xenophons Möglichkeiten, den „Reitstandard“ seiner Zeit wirklich entscheidend beeinflusst zu haben. Noch heute sieht man in Griechenland überall diverse Einhufer mit in den Schädelknochen eingewachsene Nasenketten. Glauben Sie allen Ernstes, dass man in der Antike angesichts von Sklavenhaltung und Kriegen mehr Rücksicht auf Tiere genommen hat?

Nordafrikanische Reitervölker lieben ihre Pferde auch heute noch- aber ganz anders, wie wir uns das vorstellen. Ihre Ausbildungsmethoden stehen den antiken Gepflogenheiten sicher weitaus näher, als unsere mitteleuropäische Sichtweise. Was dort jedoch mit Pferden angestellt wird, könnte leicht dazu führen, unseren Mythos vom sanften arabischen Pferdefreund völlig ad absurdum zu führen. Und trotzdem haben die Griechen das Niveau der legendären numidischen Reiterei, die ganz ohne Zaumzeuge auskam, nie erreicht. Auf welchen Wurzeln gründet dann die im Fries dargestellte und überall proklamierte „Reitkunst“? Selbst das antike „weiche“ Gebiss würden ein echter klassischer Reiter heute keinem Pferd mehr anlegen wollen.

Ich kenne nur wenige professionelle Pferdefotografen, die bei ihrer Arbeit so konsequent auf pferdegerechtes, feines Reiten achten, wie ich. Auf den großen Turnierplätzen der Welt suche sie mich vergeblich. Lieber reise ich für meine Fotos mit offenen Augen um die Welt und lerne im Kontakt mit vielen alten Reitkulturen so manche mitteleuropäische „Tradition“ rund ums Pferd kritisch zu hinterfragen. Und es bestätigt sich immer wieder: Unser angeblich so fundiertes „Wissen“ ist bei weitem nicht der Weisheit letzter Schluss. Begutachten Sie dazu nur einen Auftritt von Jean Francois Pignon.

Ein fotografisch denkendes Auge nimmt die Dinge zunächst so wahr, wie sie sind. Mir geht es nicht um Ideologie, Forschung und Lehre, sondern einzig und alleine um die Pferde.

Von mir erstellte Fotos, die Reiter in Szenen wie auf dem Parthenonfries zeigen, werden in der Regel vernichtet.

Aus guten Grund, denn ich verbringe meine Zeit lieber auf einer Koppel, als im Gerichtssaal.

Stellen Sie sich vor: Ein vermeintlich feiner Reiter oder Trainer, würden von mir mit seinem schonend ausgebildeten Pferd genau wie auf dem reiterlich angeblich so perfekten Parthenonfries fotografiert und doppelseitig in einer Fachzeitschrift abgebildet werden. Welche Bildunterschriften und Leserbriefe könnte man da wohl erwarten?

 

Mit freundlichen Grüßen

Christiane Slawik