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Im Test: Equisense Motion S

Das komplette Equisense Motion S Set
Das komplette Equisense Motion S-Set.

 

Vorab: 

Braucht es zwingend einen Sensor und eine App, um gut reiten zu können? Nein. Erleichtert es die sinnvolle und gesunde Ausbildung eines Pferdes? Definitiv ja!

Um was geht es:

Der Equisense Motion S ist ein Sensor, der eine ganze Reihe von Parametern misst: Dazu gehören u.a. die Gesamtdauer des Ritts, wie lange welche Gangart geritten wurde, Takt und Geraderichtung, Anzahl der Sprüngen, wie viel Zeit man auf welcher Hand geritten ist und die Herzfrequenz des Pferdes.

Doch der Reihe nach:

Der Vorgänger von dem Motion S liegt noch in meiner Schublade. Ich gebe zu, mit dem Modell habe ich ziemlich gehadert. Die Befestigung am Sattelgurt klappte mal, mal klappte sie nicht, was einem dann auch erst nach dem Ritt aufgefallen ist. Ein paar Mal habe ich das ausprobiert und dann wanderte dieser Sensor (der auch die Herzfrequenz nicht messen konnte) in den Schreibtisch und verstaubte dort.

Ganz anders der neue Motion S: Der ist seit etwas über vier Wochen an Orgus alias Mr.Ps. Sattelgurt befestigt und dokumentiert jetzt jeden unserer Ritte. Der Akku hält und musste noch kein einziges Mal neu aufgeladen werden, obwohl er vier-  bis fünfmal in der Woche im Einsatz ist. Die Befestigung am Sattelgurt geht ruck zuck. Vorher werden mit einem Kontaktgel (das gehört zur Lieferung des Motion S dazu) die Elektroden eingerieben: eine davon ist direkt am Sattelgurt angebracht, die andere wird seitlich unter die Satteldecke gelegt und mit einem Druckknopf mit dem Motion S verbunden: auch das hält zuverlässig! Eigentlich braucht es nur eine dünne Schicht von dem Kontaktgel, bei Orgus dickem Winterfell bin ich damit jetzt aber großzügiger. Dann ist der Motion S einsatzbereit und muss nur noch mit der kostenlosen App verbunden wird. Eine Internetverbindung ist nur beim Starten der App nötig, danach übernimmt der Sensor, der auch die GPS-Daten aufzeichnet. Die GPS-Daten zieht sich der Sensor vom Handy, das sollte also dabei sein. Wer keinen Wert auf die GPS-Daten legt, muss das Handy nicht mitnehmen. Und obwohl bei mir in der Region der GPS-Empfang nicht überall gut ist, zeichnet der Motion S zuverlässig meine Reitwege auf.

Screenshot der Equisense App
Der Mini-Ausritt unten ist klar dokumentiert, das „Gewusel“ oben ist eine Einheit auf dem Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Etwas ernüchternd ist die aufgezeichnete Länge der jeweiligen Gangarten, so bin ich beispielsweise bei einem 35 minütigen Ritt tatsächlich nur knapp zwei Minuten galoppiert und gut acht Minuten getrabt – da ist noch reichlich Luft nach oben. Die App liefert nicht nur eine „Intensitätsanalyse“, nämlich über welchen Zeitraum das Training „leicht, moderat oder intensiv“ war, sondern bewertet auch die Trainingsbelastung: „Nice and easy! Wollen wir uns nix vormachen, Dein Pferd hat sich heute nicht gerade verausgabt.“ Mr.P., wir müssen reden. Und arbeiten!

Screenshot aus der App
Anzeige der Herzfrequenz und der Intensität des Trainings.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besonders spannend finde ich die gemessene Herzfrequenz. Mr.P. ist zwar nach außen hin eine coole Socke, tatsächlich schlägt ihm aber sprichwörtlich vieles auf den Magen. Bei einem gemütlichen Schrittausritt begegneten wir einem fremden Pferd: nach außen blieb Orgu gelassen, auf der App konnte ich später sehen wie sein Puls auf über 160 (!) angestiegen war. Ich hätte nie vermutet, dass eine harmlose Begegnung so ein Stress für Mr.P. bedeutet. Besitzer von Magenpferden können so gut herausfinden, was ihr Pferd tatsächlich stresst.

Zum Vergleich: Der Ruhepuls eines Pferdes liegt bei etwa 35-40 Schlägen. Im Schritt und bei leichter Trabarbeit liegt das bei 60-150 Schlägen, im Arbeitsgalopp steigt das auf 100-170 Schläge. Wer im Renntempo unterwegs ist, verzeichnet bis zu 180 Schläge oder mehr. Und: je fitter das Pferd, desto schneller sinkt die Herzfrequenz nach der Belastung. In der App wird dazu auch die Regenerationszeit angezeigt.

Nachteile:

Der Sensor braucht eine gewisse Strecke, um genau die Symmetrie messen zu können: Optimalerweise 20 Sekunden am Stück auf gerader Strecke, möglich sind aber auch sechs-Sekunden-Intervalle, die dann zusammengenommen werden. Seitengänge können, besonders wenn sie nicht ganz sauber geritten werden, eher als „Taktstörung“ denn als Lektion erkannt werden. Die App misst auch die „Aufrichtung“, was aber nichts mit der klassischen Dressuraufrichtung gemeinsam hat, hier geht es nur um die Kopf-Hals-Position. Wer das im Hinterkopf behält, kann das bei den Ergebnissen entsprechend berücksichtigen. Der einzige Wermutstropfen ist der Preis von 399 Euro.

 

Vorteile und Fazit:

Der Equisense Motion S ist ein unbestechlicher Trainingsbegleiter. Gerade wer viel allein trainiert, findet mit dem Sensor und der App die Daten, um zu erkennen, ob die Arbeit sein Pferd fordert oder gar überfordert. Zusätzlich sind in der App zahlreiche Trainingstipps und Lektionsreihen enthalten. Und trotz des hohen Preises: Ich möchte den Equisense Motion S nicht mehr missen, er ist jeden Cent wert. Deshalb erhält der Motion  das „Proofed by Mr.P.“- Logo – auch wenn Mr.P. meint, dass das Training vorher viel bequemer war 😉

Dazu haben wir den Sensor auch in unserem Shop aufgenommen, Sie finden das gute Stück hier.

Vielleicht mögen Sie sich vorher die kostenlose App ansehen, da bekommen Sie einen guten Eindruck, was mit dem Equisense Motion S alles möglich ist. Hier finden Sie die Android-Variante. Und hier die für IOS.