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Wendungen reiten in der Praxis: Fehler erkennen und beheben

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserem Heft „Richtig rund: Zirkel und Co.

Wendungen reiten kann (fast) jeder Reiter. Doch nicht immer geben Mensch und Pferd dabei ein harmonisches Bild ab. Schon das Reiten eines Zirkels kann sich als wahre Herausforderung entpuppen, wenn er partout nicht rund werden will. Wir haben die häufigsten Probleme beim Reiten von Wendungen zusammengestellt. Der Ausbilder für Klassische Dressur Richard Hinrichs erklärt, wie die Fehler zustande kommen und gibt hilfreiche Tipps für das Training.

Dazu gehört auch mit dem äußeren Schenkel an den inneren Zügel zu reiten. Das sei kein Anfängerfehler, sondern ein hilfreiches Mittel beim Reiten auf dem Zirkel, erklärt Richard Hinrichs: „Es wird immer vom Prinzip gesprochen, das Pferd mit dem inneren Schenkel an den äußeren Zügel zu reiten. Gerade auf dem Zirkel, wenn das Pferd schön eingespurt werden soll, kann es aber auch einmal nötig sein, das Pferd mit dem äußeren Schenkel an die innere Hand zu reiten – zum Beispiel, wenn es mit der Hinterhand nach außen ausfällt. Der äußere Schenkel muss dabei aktiv werden. Zähes Drücken würde nicht ausreichen, denn das Pferd soll nicht die Anlehnung an den Schenkel suchen, sondern ihm durch vibrierenden Kontakt ausweichen. Dieses Vorgehen wurde übrigens schon 1791 von Manoel Carlos de Andrade (1755-1817) beschrieben.“
Richard Hinrichs hat einen weiteren Tipp für das Reiten auf dem Zirkel: „Um den Schenkelgehorsam herzustellen, kann es geboten sein, den äußeren Schenkel weichen zu lassen, um das Pferd danach besser einspuren zu können. Es hilft auch, besonders im Galopp, stürmische Pferde zu beruhigen. Der Vorteil gegenüber dem Schenkelweichen im Geradeaus ist, dass das Pferd nie weiß, wann die Übung zu Ende ist. Es wird in relativ kurzer Zeit ruhig, weil es keinen Sinn darin sieht, davonzustürmen. Das Pferd fühlt sich zudem weniger unter Spannung gesetzt, denn von Natur aus wird es in einer engen Wendung auch immer in Außenstellung gehen.“ (Karin Ottemann)

Stellung und Biegung von oben betrachtet.
Stellung und Biegung von oben betrachtet. Foto: www.slawik.com

Was mache ich, wenn…
Expertentipps von Richard Hinrichs

…das Pferd nicht abwendet?
Der Grund kann ein Sitz- beziehungsweise Einwirkungsfehler sein – oder dem Pferd bereitet das Abwenden Schmerzen. Ist Ersteres der Fall, hilft es, wenn der Reiter eine klare Vorstellung von der Linie hat, die er reitet. Oft wird das Pferd nur mechanisch bearbeitet, ohne zu wissen, wo die Energie hingehen soll. Hat der Reiter das Ziel vor Augen, erleichtert es ihm, sich entsprechend zu positionieren.
…sich das Pferd nicht im Genick stellen lässt?
Das Problem entsteht nicht erst in Wendungen, sondern schon direkt nach dem Aufsitzen, wenn sich das Pferd beim Aufnehmen der Zügel nicht seitlich stellen lässt. Es verstärkt sich mit zunehmendem Schwung in der Vorwärtsbewegung. Abhilfe schaffen kann das Abkauenlassen und Stellen an der Hand, das in der H.Dv. 12 beschrieben ist (s. auch Artikel S. XX). Gelingt es im Stand, ist das die beste Voraussetzung dafür, dass es auch in der Bewegung gelingt.

…sich das Pferd verwirft?
Sehr häufig stellt das Pferd das innere Ohr tiefer. Das kann seine Ursache darin haben, dass sich der Reiter am äußeren Zügel festzieht und seine äußere Hand höher und die innere tiefer trägt. Die höhere Hand wird vom Pferd empfindlicher wahrgenommen. Es folgt dieser Hand nicht nur mit dem Maul, sondern auch mit dem Genick. Korrektur: Das Pferd ist auf der Seite, auf der es das Ohr tiefer trägt, mit höherer Hand zu führen und nicht zu stark festzuhalten. Hat sich der Fehler schon verfestigt, ist es angezeigt, das Pferd durch überraschende aktiv treibende Hilfen von der Verspannung im Genick abzulenken und durch Nachgeben der Zügel in die Lage zu versetzen, die Ohren wieder auf gleiche Höhe zu bringen.

…sich das Pferd auf den inneren Zügel stützt?
Das ist ein Indiz für das Reiten mit ungleich hohen Händen. Der Reiter wird durch die Zentrifugalkraft verstärkt nach außen gesetzt und gibt über der inneren Hüfte nach. Dadurch senkt sich die innere Schulter und mit ihr die innere Hand. Korrigiert werden kann der Fehler, indem der Reiter beide Gesäßknochen mehr nach innen bringt und seine innere Seite nach oben und unten ausstreckt, sodass die Schultern wieder auf einer Höhe sind. Das Problem tritt auch bei kleinen Wendungen in hoher Geschwindigkeit auf: Das Pferd neigt sich in der Vertikalen etwas nach innen und mit ihm auch der Reiter, sodass die innere Hand tiefer kommt. Wirkt er dieser Tendenz nicht entgegen, kommt es zum Abstützen auf dem inneren Zügel.

…die Wendung zu groß wird, weil das Pferd über die äußere Schulter wegdrückt?
Das Pferd folgt dem Ruck und weicht dem Zug. Deshalb fällt es häufig aus, wenn sich der Reiter am inneren Zügel festzieht, vielleicht dabei sogar, um ein Ausfallen zu verhindern, ruckartig Paraden am äußeren Zügel gibt. Es ist zu korrigieren, indem der Reiter bei tief und ruhig geführter äußerer Hand mit gutem Kontakt zum Pferdemaul am inneren Zügel leichte Arrêts nach oben gibt, ohne hier eine zu starke Anlehnung zu fordern.

…die Hinterhand nach außen ausfällt?
Es kann zweckmäßig sein, die äußere Reiterschulter etwas zurück zu nehmen. Dadurch kommt auch die äußere Hand zurück und die Verbindung am äußeren Zügel wird fester. Nimmt der Reiter dagegen die äußere Schulter bewusst vor und der Kontakt am äußeren Zügel lässt nach oder es entsteht eine ruckende Verbindung, dann folgt die Kruppe diesem Wackelkontakt. Das erklärt sich dadurch, dass beim Nachlassen des Kontakts am äußeren Zügel die äußere Schulter frei wird. Das Pferd verlagert daraufhin seinen Kopf in Richtung der inneren Schulter und das äußere Vorderbein wird zum Vorgreifen frei. Dadurch hat auch das äußere Hinterbein Platz zum Vorgreifen, was zum Ausfallen der Kruppe führt. Die Schulter des Reiters bestimmt also die Kruppe des Pferdes. Korrektur: gezielt durch Kontakt am äußeren Zügel das Vorgreifen des äußeren Vorderfußes verhindern und eine zu starke Innenstellung vermeiden.
…das Pferd in den Zirkel/die Wendung hineindrängt?
Es könnte sein, dass der Reiter unbewusst unverhältnismäßig stark nach innen sitzt und die innere Hand zu hoch trägt. Zu korrigieren ist der Fehler, indem der Reiter etwas nach außen sitzt, ohne über der inneren Hüfte nachzugeben, und die äußere Hand unter Einsatz leichter Arrêts höher führt.

…die Hinterhand traversmäßig nach innen ausweicht?
Ursache ist regelmäßig ein Sitzfehler des Reiters, der meist über der inneren Hüfte nachgegeben hat. Der Fehler ist auch ein Indiz dafür, dass er mit dem inneren Zügel ruckartig einwirkt. Hier ist eine festere Verbindung herzustellen. Das Pferd wird reagieren, indem es die Kruppe nach außen nimmt, um sich wieder geradezurichten. Mit ursächlich kann ein pressender äußerer Schenkel sein. Dieser sollte kurz vom Pferd genommen werden und dann stakkatoartig mit zunehmender Energie nachtreiben. Beim Einsetzen des Erfolgs ist sofort mit dem Treiben auszusetzen, um das Pferd zu motivieren, aufmerksam zu reagieren.

…sich das Pferd nicht biegt, dabei vielleicht sogar in Außenstellung geht?
Die Wendung ist unter Umständen besser vorzubereiten durch Schenkelweichen und Schulterherein.
…der Zirkel/die Volte nicht rund wird?
Hilfreich ist es, Kegel aufzustellen, um das innere Bild zu konkretisieren. Mit ihnen können auch mehrere Hufschläge bezeichnet werden, sodass die Größe variiert werden kann. Und der Reiter muss Gesetzmäßigkeiten erkennen. Er muss merken, an welcher Stelle des Zirkels oder der Volte das Pferd wie reagiert. Ändert er die Voraussetzungen nicht, wird das Pferd an dieser Stelle immer wieder genauso reagieren. Drückt das Pferd zum Beispiel an einer Stelle nach außen, gilt es wie oben beschrieben den Sitz zu verändern. Die Hilfen sind sofort so zu variieren, dass der Fehler nicht wieder auftritt. Dazu kann auch einmal übertrieben nach innen abgewendet werden – das konkretisiert das innere Bild.

…das Pferd an der offenen Zirkelseite ausbricht?
Hier gilt dasselbe. Dazu kommt es darauf an, dem Pferd die gewünschte Haltung angenehm und die unerwünschte unangenehm zu machen. Bricht es nach außen aus, kann der fortgeschrittene Reiter eine kleine Volte nach außen reiten, dabei vielleicht auch stärker nachtreiben und mehr gegenhalten. Danach ist es dem Pferd auf dem Zirkel bequem zu machen und entspannt auszusetzen mit den Hilfen. So wird es merken, dass das Gehen auf dem Zirkel angenehmer ist. Der Reiter muss wissen, dass das Pferd wieder ausbrechen wird und schnell genug agieren, damit keine negative Gesetzmäßigkeit entsteht, indem sich das Pferd an das Ausbrechen gewöhnt.

…ich keine Ahnung habe, was ich falsch machen könnte?
Bei all diesen Fehlern liegt die Ursache sehr oft darin, dass der Reiter nicht zentriert sitzt. Er verlagert sein Gewicht nach außen und gibt über der inneren Hüfte nach, sodass sich die innere Schulter und Hand absenken. Bin ich nicht sicher, wo die Ursache für einen Fehler liegt und habe niemanden, der von außen korrigiert, stelle ich mir vor, welche Fehler ich machen könnte und korrigiere diese übertrieben. Wird die Wendung also zu groß, setze ich mich stark nach innen, fast als fiele ich nach innen am Pferd herunter, strecke mich innen nach oben und unten aus und hebe die innere Schulter an. Wird die Wendung kleiner, weiß ich, dass ich falsch gesessen habe.

Richard Hinrichs ist im Fachbeirat der Dressur-Studien. Mehr über ihn finden Sie auf der Internetseite des Bundesverbandes für klassisch-barocke Reiterei Deutschland www.bfkbr.de

Dieser Artikel ist eine Leseprobe aus unserem Heft „Richtig rund: Zirkel und Co.