Das Ergebnis einer Studie, die kürzlich im Fachjournal Animals veröffentlicht worden ist, ist ernüchternd: Je höher das Turnierniveau, desto weniger berücksichtigen Richter bei der Notenvergabe Stressanzeichen beim Pferd.
In der Pilotstudie von Simona Fialová, Dana Kuřitková und Eva Sobotková (Brno University of Technology und Mendel University in Brno, Tschechien) wurde untersucht, wie häufig Stress- und Konfliktverhalten bei Dressurpferden während Turnierprüfungen auftritt und in welchem Zusammenhang diese Verhaltensweisen mit Prüfungsniveau, Gebisswahl sowie der Enge des Nasenriemens stehen.
Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen nationaler Dressurturniere in Tschechien. Grundlage der Untersuchung bildeten Videoaufnahmen von 238 Pferd-Reiter-Kombinationen, die in Prüfungen von der Einstiegsklasse bis zum Grand Prix starteten.
Ziel der Studie war es, objektivierbare Verhaltensindikatoren für Stress im Wettbewerb zu erfassen und Zusammenhänge zwischen Ausrüstung, Leistungsniveau und beobachtbarem Verhalten zu analysieren.
Die Datenerhebung erfolgte auf mehreren nationalen Turnieren. Vor dem Start wurde bei allen teilnehmenden Pferden die Enge des Nasenriemens mit dem von der FEI eingeführten Nasenriemen-Messgerät kontrolliert. Zusätzlich wurden die Prüfungen videografiert und anschließend systematisch ausgewertet.
Erfasst wurden unter anderem Maulöffnen, Schweifschlagen, Veränderungen der Kopf- und Halshaltung sowie weitere als Konflikt- oder Stressverhalten klassifizierte Bewegungsmuster. Die Auswertung erfolgte mittels standardisierter Verhaltensethogramme. Ergänzend flossen Angaben zum Prüfungsniveau, zur Gebisskonfiguration (einfaches Trensengebiss oder Kandare) sowie zu den erreichten Wertnoten in die Analyse ein.
Die Nasenriemenmessung zeigte, dass bis auf zwei Pferde alle untersuchten Tiere innerhalb der geltenden FEI-Vorgaben lagen. Ein Zusammenhang zwischen der gemessenen Enge des Nasenriemens und der Häufigkeit von Stress- oder Konfliktverhalten ließ sich in dieser Stichprobe nicht feststellen.
Unterschiede zeigten sich hingegen in Abhängigkeit vom Prüfungsniveau. In niedrigeren Klassen traten verschiedene Formen von Stress- und Konfliktverhalten auf, überwiegend in geringer Häufigkeit. Mit steigendem Prüfungsniveau nahm die Anzahl unterschiedlicher Verhaltensweisen ab, gleichzeitig stieg die Häufigkeit einzelner Stressindikatoren an.
Maulöffnen erwies sich in höheren Klassen als besonders häufig auftretendes Verhaltensmerkmal. In Grand-Prix-Prüfungen stellte diese Verhaltensweise den am häufigsten registrierten Stressindikator dar.
Im Zusammenhang mit der Gebisswahl zeigten Pferde, die mit Kandare vorgestellt wurden, im Mittel höhere Raten an Konfliktverhalten als Pferde, die mit einfachem Trensengebiss geritten wurden.
Ein zentraler Untersuchungsaspekt war der Zusammenhang zwischen Stressverhalten und Richterbewertung. In niedrigen Prüfungsniveaus bestand ein negativer Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Stressindikatoren und den vergebenen Noten. In mittleren und höheren Klassen ließ sich dieser Zusammenhang nicht mehr nachweisen. Die Analyse zeigte, dass Pferde in höheren Prüfungen hohe Wertnoten erhalten konnten, obwohl gleichzeitig vermehrt Stress- oder Konfliktverhalten beobachtet wurde.
Quelle: Fialová S., Kuřitková D., Sobotková E.: Stress Responses in Dressage Horses: Insights from FEI Noseband Measurements Across National Competition Levels, Animals, 2026, 16(3), 518
