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Buchbesprechung: Medizinische Reitlehre von Robert Stodulka

Gut reitende Tierärzte für Pferde, sind eine Seltenheit. Doch wäre diese Kombination unzweifelhaft ein Gewinn für Pferd und Besitzer, kann ein solcher Veterinär doch dem Reiter wertvolle Tipps geben, wie er sein Pferd unter dem Sattel gymnastisch lockern und Erkrankungen vermeiden kann. Die „Medizinische Reitlehre“ von Dr. med. vet. Robert Stodulka will diese Lücke schließen – der Autor wendet sich an den nicht reitenden Tierarzt und den medizinisch nicht informierten Reiter gleichermaßen.

Das Buch ist dreigeteilt: Der erste Teil vermittelt Basiswissen über die Biomechanik des Pferdes und der reiterlichen Hilfen. Dabei dürfte manchem Reiter beim Lesen ein Licht nach dem anderen aufgehen: Der Wiener Fachtierarzt Stodulka beschreibt detailliert, welche physiologischen Folgen schlechtes Reiten haben kann. Was geschieht eigentlich mit Muskulatur, die nicht ausreichend aufgewärmt wird? Warum genau sind ein losgelassenes Genick und ein tätiges Maul so wichtig? Welche Muskeln und Bänder sind beteiligt, wenn sich ein Pferd korrekt vorwärts-abwärts dehnt? Viele Zeichnungen verdeutlichen, was gemeint ist.cover_reitelhre_stodulka

Im zweiten Teil widmet sich Stodulka der medizinischen Reitlehre und kann dabei nicht verhehlen, dass er selbst reiterlich der französisch-portugiesischen Schule zuzurechnen ist. Er lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass gutes Reiten nicht von der reiterlichen Tradition abhängt, sei sie nun deutsch, französisch oder spanisch inspiriert. Im Gegenteil: Jede Reitweise kann für die Pferde besondere Belastungen mit sich bringen, erklärt er. Verspannungen in Schulter und Rücken beim Dressurpferd, Belastung der Hinter- und Vorhand beim Springpferd, die Folgen enger Wendungen in der Doma Vaquera oder Western-Reitweise bis hin zu den spezifischen Problemen bei Gangpferden, Trabern oder Zugtieren – die Aufzählung ist umfassend. Und immer gibt der Tierarzt auch Tipps, wie diese Belastungen mit Massagen oder anderen Behandlungen gemildert werden können. Der dritte Teil endlich richtet sich wohl eher an den Veterinär. Hier beschreibt Stodulka orthopädische Diagnosemethoden und Behandlungsarten.

Einziger Wermutstropfen in dem sehr informativen Buch: Der tierärztliche Laie dürfte etwas Mühe haben, die zahlreichen medizinischen Fachbegriffe im Text auf Anhieb zu verstehen. Daher ist es sinnvoll, beim Lesen ein medizinisches Wörterbuch griffbereit zu haben. Vielleicht geht es dem Tierarzt ohne reiterliche Erfahrung umgekehrt genauso – ihm hilft aber immerhin ein kleines „Glossar der Reitkunst“. Einige Flüchtigkeitsfehler in den Bildunterschriften oder bei der Zuordnung von Zitaten dürften wohl bei einer neuen Auflage verbessert werden. Und vielleicht fügt der Verlag dann ja auch für den medizinischen Laien noch ein eigenes Glossar ein. Kurzum: Das Buch ist sehr empfehlenswert – für alle Reiter und Tierärzte, die über den Tellerrand hinausschauen und es endlich mal ganz genau wissen wollen. (sim)

Robert Stodulka: “Medizinische Reitlehre: Trainingsbedingte Probleme verstehen, vermeiden, beheben”, Parey 2006, 79,99 Euro

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