Ansicht von hinten: Frau führt Pferd
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Was bedeutet eigentlich „Ausbildung am Boden?“

Bodenarbeit ist keine Alternative zum Reiten – sie ist ein wesentlicher Bestandteil einer guten Ausbildung!

Kurz gesagt umfasst der Begriff „Ausbildung am Boden“ alles, was nicht im Sattel geschieht. Um nur einige Beispiele zu nennen: Sie beginnt bei der Begrüßung des Pferdes, reicht über das Führtraining und das Gewöhnen an Trense und Sattel bis hin zum Longieren, zur Arbeit an der Hand und am Langen Zügel.

Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Arbeit an der Hand ein.

Von den alten Reitmeistern bis heute: Die Geschichte der Arbeit an der Hand

Bereits seit Jahrhunderten gehört die Arbeit an der Hand zur klassischen Ausbildung von Pferden. Diese systematische Ausbildung entwickelte sich vor allem in den höfischen Reitakademien der Renaissance und des Barocks. Sie wurde bei besonders talentierten Schulpferden eingesetzt und bereitete Lektionen der Hohen Schule vor.

Mit dem Aufstieg der Militärreiterei verschob sich dieser Schwerpunkt zunehmend. Gefragt waren Pferde, die in möglichst kurzer Zeit einsatzbereit waren. Die sorgfältige Ausbildung an der Hand verlor dadurch vielerorts an Bedeutung, weil sie als zeitaufwendig galt. Erst in den vergangenen Jahrzehnten hat sie wieder (etwas) von der Bedeutung zurückgewonnen, die sie ursprünglich einmal hatte. Heute wissen wir, dass Führtraining, Longieren, Arbeit an der Hand oder Langzügelarbeit weit mehr sind als eine Ergänzung zum Reiten.

“Die erste Frage sollte immer lauten: »Habe ich korrekt angefragt?« Versteht das Pferd die Hilfen nicht, weil sie unklar gegeben wurden, kann man ihm nicht übelnehmen, wenn es nicht reagiert.  Das wäre so, als ob Sie jemanden in einer fremden Sprache um etwas bitten, jedoch die falschen Worte benutzen. Er kann vielleicht erraten, was Sie wollen, er kann aber auch gar nichts tun, weil er Sie nicht versteht. Denselben Fehler zu wiederholen, hilft dem Verständnis auch nicht weiter.“ 

Arthur Kottas-Heldenberg in seinem Buch „Dressur-Training“

Einige der Disziplinen am Boden im kurzen Überblick

Dabei ist jede dieser Disziplinen ein eigenes Fachgebiet, mit dem sich Pferdebesitzer intensiv beschäftigen sollten:

– Klassisches Longieren: Das Training auf der Kreislinie ist weit mehr als bloßes „Bewegen“ an der Leine. Richtig ausgeführt – idealerweise am Kappzaum – dient es der Biomechanik des Pferdes. Es fördert Takt, Losgelassenheit und die korrekte Dehnungshaltung, während der Trainer von der Mitte aus die Balance und den Bewegungsablauf genau analysieren kann.

– Arbeit an der Hand: Hier führt der Trainer das Pferd meist auf Höhe des Pferdekopfes oder der Schulter. Diese Disziplin ermöglicht es, dem Pferd neue Lektionen wie das Schulterherein, Kruppeherein oder sogar die Anfänge der Versammlung extrem präzise und ohne störendes Reitergewicht zu erklären.

Frau wärmt Pferd an der Hand auf und lässt es seitwärts übertreten. Foto: Christiane Slawik

– Schrecktraining & Gelassenheitsprüfungen (GHP): Durch gezieltes Schrecktraining mit Planen, Flatterbändern oder Regenschirmen lernt das Pferd, in Stresssituationen nicht kopflos zu flüchten, sondern sich am Menschen zu orientieren. Die standardisierten Gelassenheitsprüfungen bieten hierfür einen tollen Leitfaden, um die mentale Stärke und das Vertrauen systematisch zu überprüfen.

– Arbeit am Langen Zügel: Sie gilt etwa an der Spanischen Hofreitschule als Königsklasse und wird dort erst mit Pferden begonnen, die unter dem Sattel bereits vollständig ausgebildet sind. Das muss nicht der Maßstab für den Alltag sein – es macht aber deutlich, dass jedes dieser Themen fundiertes Wissen erfordert.

Richtig eingesetzt fördert die Ausbildung am Boden Balance, Koordination, Kraft und Kommunikation und bildet damit eine wertvolle Grundlage für eine faire und nachhaltige Ausbildung des Pferdes.

Warum sich die Arbeit am Boden für dich und dein Pferd lohnt


Egal, ob du ein junges Pferd schonend vorbereiten möchtest, Abwechslung in den Trainingsalltag bringen willst oder dein Pferd nach einer Verletzungspause wieder behutsam aufbaust: Die Ausbildung am Boden bietet dir unzählige Möglichkeiten. Du schulst dein Auge für die Biomechanik des Pferdes, verfeinerst deine Hilfen über Körpersprache und Stimme und stärkst das gegenseitige Vertrauen

Hier findest du alles, was wir bisher zur Ausbildung am Boden gemacht haben: einige Artikel zum Einstieg in die Materie, Hefte, FzP-Campusse und Bücher.

Vertiefe dein Wissen – je nachdem, wie du am liebsten lernst!

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Ob am Boden oder im Sattel: Am Ende zählt, dass du und dein Pferd euch verstehen. Wir hoffen, wir konnten dir dabei ein Stück weiterhelfen – und freuen uns, wenn du uns auf diesem Weg weiter begleitest.
Bodenarbeit ist nur ein Baustein einer fairen Ausbildung. Wenn du tiefer einsteigen möchtest, schau auch in unseren anderen Themenwelten vorbei.